Mehr als Rheinfall und Rotwein

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Zwei Gewerbler und zwei Bauern haben sich zu einem Pilotprojekt zusammengeschlossen und vertreiben ab morgen unter der Marke Haametland 23 regionale Produkte.

Bericht aus den Schaffhauser Nachrichten vom 25. Oktober 2016 von Jeannette Vogel

Die Bauernseite vertreten Hanspeter Tanner aus Merishausen und Chöbi Brütsch, der Präsident des Vereins Schaffhauser Regio-Produkte. Von der Gewerblerseite her kommen die Aceteia Daniele aus Schaffhausen, vertreten durch Marco Peruch, sowie Franz Marty von der Bäckerei-Konditorei «Am Schaubmarkt» in Stein am Rhein.

Den Wunsch, «Schaffhauser Produkte mit Persönlichkeit» zu vertreiben, habe der Verein Schaffhauser Regio-Produkte schon länger gehabt. Ursprünglich seien zehn Hersteller der gut 50 Mitglieder daran interessiert gewesen, ihre Lebensmittel über Haametland zu vertreiben. «Doch sind, auch aus finanziellen Gründen, vom Zug abgesprungen», sagt Franz Marty von der Steiner Bäckerei «Am Schaubmarkt». Den Mut, noch eine Marke zu kreieren, hatten die vier Initianten: «Wir dürfen uns als Schaffhauser hinstellen und sagen, ja, wir haben gute Produkte», sagt Peruch für alle Hersteller. Der Markenname Haametland hätte auch Hammät- oder Hometland lauten können, denn im Schaffhauserland werde das Wort Heimat verschieden ausgesprochen – bis nach Trasadingen heisse es allerdings Haamet, daher der Name, sagt Marty. Was überall im Kanton gleich bleibt – alle Produkte wie Teigwaren, Würste, Kürbisöl und Essig kommen aus Schaffhausen.

Erfahren, lernen und wachsen
Für das Pilotprojekt, das ein Jahr dauern soll, hätten sich die vier Hersteller das Ziel gesetzt, zu erfahren, zu lernen und zu wachsen, wie Chöbi Brütsch ausführt – und auch mal einen Fehler machen zu können. In einem Jahr wollten sie weitersehen und auch gerne neue Produkte und Hersteller dazunehmen. Von Brütsch stammt etwa das Kürbiskernöl, das aus gepressten und gerösteten Schaffhauser Kürbiskernen besteht. «Wir schlafen nicht», sagt Brütsch: «Wir wollen eine Plattform für Regio-Produkte bieten.» Brütsch, der seit 1997 seine eigenen Produkte vertreibt, fügt hinzu: «In der Direktvermarktung sind wir keine Anfänger.» Marco Peruch, der Geschäftsführer von «Daniele», der in drei Jahren von seinem Vater das Geschäft am Fronwagplatz übernehmen wird, vertreibt unter Haametland verschiedene Aceto-Balsamico-Produkte. Er sagt: «Die Region ist mehr als Rheinfall und Rotwein.» In seinem Balsamico bianco sind weisse Trauben aus Schaffhausen. Franz Marty, der die Bäckerei und Konditorei «Am Schaubmarkt» betreibt, verkauft Backwaren wie Steiner Orangenzipfel oder Flûtes de Fromage. Für ihn sind die Appenzeller ein Vorbild: «Stellen sie sich vor, so ein kleines Volk und so viele gute Produkte, wie Bier und Käse.» Er ist überzeugt, dass auch sie mit dem Verkauf der Lebensmittel Erfolg haben werden: «Wir werden die Produkte über die Kantongrenzen hinaustragen.» Einmal pro Woche stellt Hanspeter Tanner in Merishausen Würste, etwa Wildschweinschüblig, her. «Wir müssen einen Zahn zulegen und unter einer Marke Schaffhauser Produkte vertreiben», sagt er. Ihm sei es wichtig, gemeinsam etwas aufzubauen.

Premiere an der Herbstmesse
Erstmalig verkauft werden die Regio-Produkte an der Schaffhauser Herbstmesse, die morgen eröffnet wird. Haben die vier ein Budget erstellt? Marco Peruch antwortet stellvertretend für die Vereinsmitglieder: «Es ist das gleiche Konto wie für Werbeausgaben – es geht à fonds perdu.» Die genaue Marge für die Produkte mag er nicht nennen, nur so viel: «Sie muss zweistellig sein.» Das finanzielle Risiko sei gleichzeitig der Anreiz für die Produzenten, die sich kein Umsatzziel gesteckt hätten: «Da wir unser eigenes Geld reinstecken, ist unser Interesse sehr gross, dass die Investition auch funktioniert». Ab der kommenden Woche sind die Produkte an verschiedenen Orten erhältlich und werden auch über das Internet vertrieben: zu Einheitspreisen, wie Präsident Brütsch betont. Die Seite http://haamet.land/ ist bereits aufgeschaltet.